Während ich meine ersten Zeilen hier schreibe hoffe ich, dass Halloween nicht der schlechteste Tag ist um einen Blog zu erstellen.
Es ist schon ein wenig seltsam. Ich erinnere mich oft und gerne an meine Kindheit. Da gab es Halloween noch nicht, jedenfalls nicht in Deutschland. Wir hatten etwas ähnliches im Saarland,
das nannte sich "Hexennacht" und fand immer in der Nacht zum 1ten Mai statt. Diese Nacht war aber mehr den Streichen gewidmet - wenn man dabei erwischt wurde gabs aber auch schon damals Saures.
Die Bedeutung von Halloween hat sich mir nie erschlossen - also habe ich gestern mal eine Internetsuche gestartet. Herausgefunden habe ich dabei, dass es ein keltischer Brauch ist, ursprünglich All Hallow`s Eve genannt. Ok, da kommen wir der Sache schon mal näher. Denn Allerheiligen war früher in meiner Familie ein besonderer Tag den ich auch mochte.
Allerheiligen bedeutete die Friedhöfe zu besuchen auf denen die bereits verstorbenen Familienmitglieder beerdigt waren. Dazu nahm man Blumenschalen oder gebundene Kränze mit Erika und Tannengrün, Rohrkolben usw. verziert mit, um damit die Gräber zu schmücken. Diese Blumenschalen sind wohl ein eher katholischer Brauch, in Berlin habe ich das eher selten so gesehen. Dazu wurden Grableuchten am Grab angezündet. Auch wenn ich die meisten der Verstorbenen nicht mehr kennengelernt hatte war es für mich ein sehr schöner Brauch sich eben
an diesem Tag auch ihnen zu gedenen.
Bei uns waren es 3 Friedhöfe, die an diesem Tag besucht wurden. Zum einen der Friedhof auf dem meine Grosseltern beerdigt sind, dann der Friedhof in Petite Rosselle (Lothringen, Frankreich) wo die Angehöigen mütterlicherseits gebettet waren und letztlich ging es nach Sankt Wendel zu den Ahnen meines Vaters. An diesem 1ten November war es meist nass und kalt - es ging ja auch auf den Winter zu. Erfreulich, dass ab diesem Tag der "Maroni-Mann" am Friedhofseingang stand und man sich an den heissen Maronen zumindest schön die Finger wärmen konnte.
Obligatorisch wurden nach den Friedhofsbesuchen dann die noch lebenden Verwandten besucht, bei denen es dann zunächst Kaffee und Kuchen sowie zum Abend hin dann ein liebevoll zubereitetes Abendessen gab.
Heutzutage würde das alles wahrscheinlich als extrem spiessig bezeichnet - ich indes bin froh, dass ich es so erlebt habe. Ein kleiner Teil meiner Kindheitserinnerungen eben.

Nun ja, ist Weihnachten dann nicht auch irgendwie "spießig"? Allerheiligen geht man "aufs Grab", das kenne ich auch noch, obwohl wir das nie gemacht haben. In Bayern ist es immer noch total üblich, nicht nur auf dem Land, aber es ist eine Tradition, die mittlerweile eher von den ganz alten Leuten gepflegt wird.
AntwortenLöschenIn anderen Kulturen gilt es nicht als spießig. Manchmal ist es auch nur die Art und Weise, wie man darüber spricht: Wenn wir Fernsehdokumentationen über indigene Völker sehen, und dazu hören, dass sie "ihrer Ahnen gedenken", bekommt das Ritual einen ganz anderen Kontext. Wir sind gerade dabei, ganz viele dieser alten Rituale zu verlieren, die ursprünglich mal Teil unserer "Kultur" waren. Trotzdem bin ich da genauso zwiegespalten, würde nicht zum Friedhof rennen, nur weil alle das an diesem Tag machen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass viele dieser Rituale schon in unserer Kindheit nur durchgeführt wurden, damit die Verwandten und die Nachbarn nicht schlecht über jemanden reden = also eine gewisse Heuchelei in sich tragen. Dann also lieber nicht ;-) Danke für diesen schönen Denkanstoß!