Donnerstag, 3. November 2016

Träume sind zum Leben da





Die Tage im Jahr 1979 waren rau, es trübte sehr vieles meine Lebensfreude und vieles kostete mich unendlich viel Kraft. Mein Leben war im wesentlichen bestimmt durch die schwere Erkrankung meiner Mutter und der damit verbundenen ständigen Angst, welches Drama als nächstes passiert. 

Ruhe und Kraft gab mir die frühzeitig gebaute "Traumwelt" mit ABBA, die soviel Harmonie ausstrahlten und mir durch ihre Musik die Kraft gaben nicht aufzugeben. Geborgenheit fand ich indem ich die Tür zu meinem Zimmer schloss, den Kopfhörer aufsetzte und Songs wie "Dancing Queen" oder "Mamma Mia" hörte. Keine besondere Überraschung, dass mein allergrösster Traum war diese 4 Leute auf die ein oder andere Weise einmal zu treffen. Ein Traum der indes unerreichbar schien. Schon 1977 gab es eine Tournee mit Konzerten in Deutschland - mit 12 Jahren kam ich aber nicht einmal in Ansätzen auf die Idee, dass ich ein solches Konzert besuchen könnte da das nächste Konzert in Essen stattfand, also auch noch mit Reiserei verbunden gewesen wäre. Ein Traum blieb ein Traum. 

1979 war das anders als ich in einer der heiss begehrten Ausgaben einer Popzeitschrift die Meldung lesen konnte, dass ABBA wieder Konzerte in Deutschland geben. Immerhin war ich da schon 14 Jahre alt und meine Idee einen solchen Konzertbesuch zu realisieren startete gleich nach dem Lesen dieser Meldung. Anders: es stand fest, dass ein Konzertbesuch wahr werden musste. 

Nächster Konzertort war Frankfurt am Main. Keine Weltreise von meiner Heimatstadt Saarbrücken aus. Und gab es da nicht auch eine Cousine, die seit einiger Zeit in dieser Stadt  lebte ? Und da gab es doch noch eine Tante mütterlicherseits, die ohnehin alles Menschenmögliche für mich tun würde.  Also war schnell ein Plan gefasst und diese Tante informiert. Dann heiss es "Abwarten". 

Schon beim nächsten Besuch bei ihr fielen die Worte "Deine Karte ist da". Ich erinnere mich sehr deutlich an das Gefühl, welches dadurch bei mir ausgelöst wurde. Siebter Himmel, Schmetterlinge im Bauch - es war unglaublich. 

Genauso unglaublich waren dann die Tage in Frankfurt. Schon die Zugfahrt dorthin mit dem Ziel ABBA tatsächlich nahe zu sein, sie auf der Bühne erleben zu dürfen. In Worte kann ich das gar nicht fassen, es fühlte sich an wie ein riesengrosser bunter Traum, alles in mir fieberte, war erfüllt mit wahnsinniger Freude. 

Am 02.11.1979 sass ich dann also abends in der Frankfurter Festhalle, um 20:10 Uhr ging das Licht aus, ein dunkelblauer Vorhang öffnete sich und auf der Bühne waren tatsächlich die 4 Schweden die mir soviel bedeuteten. Mein Platz in der 22ten Reihe war recht weit entfernt aber bei den letzten Songs stand ich direkt vor der Bühne und war mir sicher, dass Agnetha`s Lächeln nur mir ganz alleine galt. Ein absolut ausserirdisches Gefühl, das lange Zeit anhalten sollte. Ich freue mich heute an der Erinnerung an diesen Jugendlichen der ich damals war und der endlich einen Traum leben durfte. 

Für mein weiteres Leben hat er mir eines gezeigt - wenn man sich etwas wirklich von tiefstem Herzen wünscht, dann sollte man alles versuchen dies auch zu realsieren. Die Umsetzung lohnt sich in den meisten Fällen und wenn man Glück hat dann schafft man, wie an diesem 02. Noveber 1979, Erinnerungen, die ein Leben lang halten.






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